KÜHE UND KIRSCHEN

 

Dominik Fellmann hat sich entschieden. Er will Bauer werden und dereinst den Familienbetrieb in Uffikon weiterführen. Das freut die Eltern und die beiden Schwestern. Vater Sepp kennt die Herausforderungen einer Nachfolge auf dem Familienhof aus eigener Erfahrung. Ob aber seine Kühe und Kirschen übermorgen noch ins Konzept passen werden, wird sich weisen.

 

Nein, der Entscheid zur Bauernlehre sei ihm nicht schwer gefallen, winkt Dominik ab. Trotz spannender Schnuppertage als Landmaschinenmechaniker. Da seien die Lehrstellen aber rar. Für Vater Sepp ist das mit der Landmaschinenlehre noch nicht abgehakt. Das passe doch gut zum Bauern und Dominik habe mit Jahrgang 1998 noch Zeit genug, sagt er: «Dominik muss noch nicht grad heimkommen, ich bin noch viel zu jung.» Die Berufswahl des Juniors beruhigt in natürlich trotzdem. Das Wirtschaften auf dem Hof seines Vaters scheint in der Familie zu bleiben.

 

Kirschen statt Zuchtmohren
Sepp hat den Hof der Eltern «eher spät» übernommen: 1994 als Pächter, 1996 als Besitzer. Damals war es ein traditioneller Milchbetrieb mit Zuchtmohren. Sepp erzählt: «Damals haben wir kein Land dazu pachten können. Ich musste aus dem bestehenden Boden mehr erwirtschaften. Das war damals mit Kirschen möglich, nicht aber mit der Milch. Es gab keine Kontingente zu kaufen.» 1995/96 hat er die ersten 500 Kirschbäume auf einer halben Hektare nah beim Hof gepflanzt. Damals noch ohne die Bedrohung der knapp 2 mm kleinen Kirschessigfliege, die Fellmanns heute das Leben schwer macht und Jahr für die Jahr die Ernte bedroht.

 

Auf die Tafel oder ins Fass
Hagel, Pilz, Regen, habe man mit den gedeckten Kulturen im Griff. Gegen Frost helfe im Notfall ein nächtlicher Dauereinsatz mit der Wasserspritze. Aber gegen diese Fliege sei bis dato kein Kraut oder Nützling gewachsen, wenn sie sich kurz vor der Ernte auf die reifen Früchte stürze. Einmal mehr stehen heuer an 800 Bäumen rund 10 Tonnen feinster Kirschen auf dem Spiel. Kommen sie nicht als Tafelobst in den Handel und in den Direktverkauf ab Hof, sondern in die Brennerei, ist der finanzielle Schaden gross. Doch Sepp Fellmann will nicht klagen. Vielleicht helfen ja die Insektennetze, die sie vor der Ernte über die Bäume stülpen werden. Er sei mit seinem Kirschenanbau gut bedient.

 

Aprikosen ade
Das gilt nur sehr bedingt für seinen Versuch, neben den Kirschen in der Höhe über Uffikon auch Aprikosen anzubauen. Ein heikles Terrain, Sepp sagt: «Letztes Jahr haben wir drei Tonnen feinste, feste und süsse Aprikosen ablesen können.; er holt sein Handy heraus und zeigt ein Föteli mit rotbackigen Aprikosen. Sie gingen ab Hof weg wie warme Weggli. Aber wir haben Pech mit den Sorten und deren Bäumen.» Der Grossteil der 700 Bäume stirbt ab. «Jetzt ist Schluss. Der Frust und Verlust ist zu gross. Die eine Sorte lassen wir stehen, die andern kommen raus. Und an gleicher Stelle Kirschen rein. Oder…», Sepp zögert, «... oder eine andere, hier eher noch unbekannte Frucht, die sich eventuell für unser Klima und unsere Böden eignen könnte.» Er lacht verschmitzt. Mehr sagt er nur hinter vorgehaltener Hand. Off the record. Mehr dazu an dieser Stelle, wenn es mal spruchreif ist.

 

Mehr Kühe, mehr Land, neuer Stall
Apropos spruchreif. Ob Dominik dereinst auch auf die Kirschen setzen will? Er zuckt leicht mit den Achseln. Das sei heute schwer zu sagen, der Absatz nicht abzuschätzen. Zudem mache ihm das ewige Schneiden der Kirschbäume heute schon sehr viel Mühe, sei aber ein wichtiger Teil des Handwerks. Und die Kühe? Dominik: «… mit 20 Kühen ist wirtschaften nicht gerade rentabel. Mit 40 wäre das schon besser. Aber dann bräuchte ich mehr Land und einen neuen Stall.» Der alte wurde 1937 gebaut. Für Vater Sepp keine Frage: «Dominik muss nicht so bauern wie ich. Ich habe auch nicht so weitergemacht wie mein Vater. Er muss wie damals ich vorausschauen. Das heisst dann eben eventuell: mit mehr Land mehr Kühe und ein neuer Stall.»

 

Rohmilch für die Regio Chäsi
Für mehr Milch braucht es dann auch einen sicheren, fairen Abnehmer. Früher war das die eigene Käsereigenossenschaft von Uffikon. Sepp hat einen Teil seiner Berufskollegen als Präsident der Genossenschaft von einer gesunden Zukunft in der Regio Chäsi Willisau überzeugt. «Wir hatten vom ersten Tag an fünf Rappen mehr pro Liter Milch bekommen.» Vom Wirbel, der im Dorf nach der Schliessung der eigenen Käserei mit Laden losging, mag er nicht mehr reden. Das sei abgehakt.

 

Kochen fürs Bäuerinnen-Catering
Bleibt die Gegenwart und Zukunft der Frauen auf dem Hof. Dominiks Schwestern haben ihre Traumberufe schon gebucht: Beatrice, die Jüngste, als Fachfrau Fleischwirtschaft, Cornelia als Service-Fachfrau in der Gastronomie. In diesem Bereich engagiert sich auch Mutter Christine. Die gelernte Bäcker-Konditorin ist eine der regionalen Frauen vom Bauernhof, die höchst erfolgreich gemeinsam die Firma AgriCatering betreiben. Sie verwöhnen Gäste und Kunden mit «Frischem aus der Nähe.» Christine backt, kocht und serviert immer dann, wenn es ihre Aufgaben im Bauernbetrieb nicht tangiert. So mache es Spass und biete eine gute Abwechslung zum eigenen Familienbetrieb.

 

Agri-Catering ist ein guter Kunde der Regio Chäsi Willisau. Hier der direkte Link zur Website www.agricatering.ch.

 

 

 

 

 
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
   
   
   

 

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