BAUERN MIT KÄSEREI AUF KURS

 

Seit 2005 hat Ferdi Bisang als «Kapitän» die Regio Chäsi Kottwil mit auf Erfolgskurs gebracht. Er ist stolz auf die gewählte Route und seine Berufskollegen mit im Boot. Der Präsident der selbstverwertenden Käsereigenossenschaft bewirtschaftet mit seiner Familie und einem Lernenden einen mittelgrossen Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau am Dorfeingang von Kottwil: 30 braune Kühe, 25 ha Land, teils hügelig, dazu 5,5 ha Wald.

 

Es war nicht immer ein Honigschlecken. Oftmals blies dem Präsidenten und seinen Vorstandskollegen der Wind aus den eigenen Reihen heftig ins Gesicht. Die Unzufriedenen konnten auch gegen ihn, die gestandene Integrationsfigur, mächtig austeilen. Besonders, wenn es schwierige Entscheidungen zu treffen galt. Bei Mitarbeitenden wie bei Genossenschaftern. Umso mehr ist Ferdi Bisang erleichtert, dass sich vieles zum Guten gewendet hat. Auch ein bisschen stolz? Ferdi Bisang zögert und nickt. Stolz sei er vor allem auf alle jene, die den Visionären die Stange gehalten und den Rücken gestärkt haben.

 

Den Fokus halten
Wichtig sei es gewesen, den Fokus und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ob er dabei von seinen Qualitäten als Orientierungsläufer profitieren konnte, weiss Ferdi Bisang nicht. Er schätze an diesem Sport vor allem den Ausgleich, den Kontakt mit Menschen ausserhalb des Bauernstandes. Wobei: im OL hat er gelernt, an seine Leistungsgrenzen zu gehen, flexibel reagieren und rasch eine Situation neu erfassen und beurteilen zu können.

 

Führen und verantworten
Seine Führungsstärken habe er vermutlich auch im Militär entwickelt, mutmasst Priska, seine Frau. Fähigkeiten, ohne die er ihrer Meinung nach weder als langjähriger Feuerwehrkommandant noch als Käserei-Präsident hätte Kurs halten können. Wichtig aber auch, dass Ferdi auf dem Hof bei Bedarf von einem Lernenden der Rücken freigehalten und der Alltagsbetrieb mitgetragen wird.

 

Der Familienbetrieb
Priska und Ferdi Bisang haben 1996 geheiratet, ein Jahr, nachdem Ferdi mit 31 Jahren den Hof von seinem Vater übernommen hatte. Priska ist auf einem Bauernbetrieb in der Nachbargemeinde Grosswangen aufgewachsen. Sie hat Krankenschwester gelernt und sich später zur Bäuerin ausgebildet. Die beiden haben drei Kinder: Carmela, die nach der Matura Tierärztin werden will; Damian, der zur Zeit die Kantonschule besucht und sich intensiv mit seiner beruflichen Zukunft beschäftigt, und Aurelia, die Jüngste.

 

Landwirtschaft im Wandel
Damian (der beim Fototermin leider im OL-Training war) ist ein Praktiker und arbeitet gerne mit den Händen. Er zeigt auch grosses Interesse am Betriebsgeschehen und kann sich vorstellen, den Betrieb in weiterer Zukunft einmal zu führen. Das freut natürlich die Eltern, auch wenn der Vater heute nicht zu sagen wagt, wie und was denn in fünfzehn oder zwanzig Jahren die Landwirtschaft ausmachen wird. Ob mit Tieren und wenn ja, mit welchen? Es sei vieles ungewiss. Zumal die aktuelle Landwirtschaftspolitik für Vollerwerbsbetriebe wie den ihren eh in eine falsche Richtung führe, weg von der Produktion hin zur vermehrten Pflege der Biodiversität.

 

Braunvieh im Laufstall
Auf Bisangs Hof werden jährlich rund 215’000 Liter Rohmilch gemolken. 30 Stück Braunvieh stehen im Laufstall, mit eigener Nachzucht, welche zum Teil mit Vertragsaufzucht ausgelagert ist. Ein Viertel der 25 ha Land ist Hanglage und nicht ackerfähiges Weideland. Im Ackerbau werden Speisekartoffeln, Brot- und Futtergetreide, Mais und Futterrüben angebaut. Dazu kommen Tafelkirschen für den Verkauf und etwas Feldobst für den Eigengebrauch. 5,5 ha sind Wald.

 

Energie aus Waldholz
Vater und Sohn Bisang arbeiten gerne im Wald. Ferdi glaubt an die Zukunft des nachwachsenden Rohstoffes als Bauholz oder Energieholz und sieht durchaus auch Chancen für seinen Betrieb. Mit Holzschnitzel aus dem eigenen Wald wird das eigene Wohnhaus und mittels Fernheizung auch das Haus von Mutter Josy beheizt.
Ein Projekt für eine noch breitere Nutzung der Anlagen ist in Abklärung.

 

Vorwärts zu den Wurzeln
So wie hier auf dem Betrieb gelte es auch in der Regio Chäsi wachsam und beweglich zu bleiben. Auch wenn hier wie dort die Ernte aller Bemühungen gut ist. Ferdi sagt: «In einer selbstverwertenden Käsereigenossenschaft aufgewachsen hätte ich mir nie vorstellen können, unsere Milch an einen Milchkäufer zu verkaufen und die Verwertung so aus den Händen zu geben. Wir müssen stets darauf bedacht sein, mit unserer täglichen Arbeit eine möglichst hohe Wertschöpfung selbst zu erzielen. Dies gilt im Speziellen auch für unsere Käsereibetriebe. Deshalb können wir nicht stehen bleiben. Wir müssen Neues wagen um unsere Wurzeln zu stärken.»

 

 

 

 

 

 
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 

 

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