VOM «ROTEN TUCH» ZUR PARTNERIN

 

Jürgen Hunkeler aus Pfaffnau lässt die Milch seiner 35 Kühe seit Juli 2013 täglich von der Regio Chäsi Willisau abholen. Damals gab die Käsereigenossenschaft Pfaffnau nach über 155 Jahren das Käsen auf. Mit Hunkeler liefern heute acht Ehemalige ihre Rohmilch nach Kottwil. Früher war die Regio Chäsi für Hunkeler ein «rotes Tuch».

 

Jürgen Hunkeler gibt es gerne zu: Vor einigen Jahren noch war die Regio Chäsi für ihn ein «rotes Tuch». Eine Grosskäserei, die rundherum kleine Dorfkäsereien verschlingt. Vor zehn Jahren war man sich in der Branche eh einig: etliche Käsereien werden noch schliessen müssen, aber sicher nicht die in Pfaffnau. Schliesslich hatte man schon ab 1996, als das Fusionieren in der Käsereiwirtschaft noch ein Fremdwort war, über 25 neue Lieferanten von Balzenwil, Mättenwil und Roggliswil als Gastlieferanten oder neue Genossenschafter in die Dorfchäsi integriert. Jürgen sass ab 2005 im Vorstand der Genossenschaft, sein Vater Sepp war 40 Jahre lang deren Kassier. Er betreut bis heute die Buchhaltung des Käsereiladens.

Milchschwund und Qualitätsprobleme
Dann wurde es langsam eng und enger. Immer häufiger stellten nach der Jahrtausendwende grosse Milchlieferanten auf Silowirtschaft um, andere auf Mutterkuhhaltung. Früher flossen jährlich über 4 Millionen Liter Milch in den Fertiger, am Schluss noch knapp 2 Millionen. Zum Milchschwund kamen Qualitäts-Probleme in der Produktion und mit dem Lohnkäser dazu. Ende Juni 2013 wurde die Pfaffnauer Emmentaler-Produktion nach 155 Jahren eingestellt.

 

Hofabfuhr um 20 Uhr
Seither holt der silberne Milchsammelwagen der Regio Chäsi täglich gegen 20 Uhr bei Hunkelers in der Pfaffnauer «Nuttelen» die Rohmilch ab. 35 Kühe stehen im Laufstall, den Vater Sepp und Jürgen 1998 gebaut und damit die Kapazitäten um die Hälfte vergrössert haben. «Wir konnten damals das Milchkontingent eines Nachbarn mieten und zusätzlich Land eines anderen Kollegen pachten», sagt Jürgen dazu. Er hat den Hof dann ein Jahr später im Alter von 28 Jahren vom Vater übernommen. Damals wohnte er noch im Dorf unten. Heute lebt er mit seiner Familie oberhalb von Stall und Tenn. Das moderne Einfamilienhaus hat er mit Frau Nicole im selben Jahr der Hochzeit gebaut. Die beiden haben drei Kinder: Josepha, Matteo und Antonin, der Jüngste. Gian, der älteste Sohn von Jürgen aus einer früheren Partnerschaft, ist im Moment jedes zweite Wochenende, ab Sommer wieder häufiger in der «Nuttelen» anzutreffen.

 

Toni sorgt für Betrieb im Betrieb
Nicole Kaeslin Hunkeler arbeitet zu 40 Prozent im Dorf als Sozialpädagogin in einer Wohngruppe für Erwachsene mit Begleitungsbedarf. Die Baselbieterin schätzt es, dass in dieser Zeit ihr Mann, oder unterstützend auch die Grosseltern, sich um die Kinder kümmern, denn er darf den Jüngsten im Moment nicht tragen oder hochheben. Nach seiner dritten Rückenoperation ist er auch von allen Schwerarbeiten auf dem Betrieb dispensiert. Seit bald 11/2 Jahren sorgt Toni aus Schenkon für die Kühe, er melkt sie und bauert. «Ein Glücksfall», rühmt Jürgen und hofft auf die eigene Genesung.

 

Leidenschaftlicher Kuhliebhaber
Er will den Rohmilch-Betrieb unbedingt auf Kurs halten. Der grösste Teil der 26 ha sind Grünland für die Kühe, ein Teil Ausgleichsflächen im Vernetzungsprojekt. Auf 2 ha wird Urdinkel angebaut, hinzu kommen Futtermais und Futterrüben für die Kühe und ein Kartoffel-Bitz für den Eigengebrauch. Die Aufzucht hat Jürgen ausgelagert. Er arbeitet eng mit einem dafür spezialisierten Betrieb in Schötz zusammen. Jürgen Hunkeler bezeichnet sich als leidenschaftlicher Kuhliebhaber und Viehzüchter. Nach der Familie kämen bei ihm sofort die Kühe, die während der ganzen Vegetation Weidebetrieb geniessen. Umso weniger könne er sich vorstellen, wegen seinen anhaltenden Rückenproblemen aufzugeben und umzusatteln, wie ihm unlängst der IV-Berater geraten hat.

 

Hege und Pflege der bäuerlichen Arbeits- und Lebensweise
Jürgen Hunkeler ist von der silofreien Fütterung zu hundert Prozent überzeugt. Ebenso angetan ist er von der neuen Partnerschaft mit der Regio Chäsi Willisau in Kottwil. «Dort wird meine Rohmilch zu Produkten mit eigener Identität und Wertschöpfung veredelt. Sie sichern uns auch in Zukunft den Marktzugang. Gleichzeitig wird das Weiterbestehen der bäuerlichen, genossenschaftlichen Arbeits- und Lebensart als Alternative zur industriellen Milchwirtschaft gehegt und garantiert.»

 

 

 

 

 

 

 
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 

 

 

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